Berliner AfD trauert um Hans Asbeck

An diesen Sonnabend erinnerte sich Hans Asbeck noch lange zurück: Am 28. Mai vor vier Jahren kam mittags ein junger Mann mit kurzer Hose an den AfD-Stand, griff einen Stapel Infomaterial und rannte einfach davon. Zwei jüngere Parteifreunde nahmen die Verfolgung auf. Bald hatten sie den Mann gestellt, der wenig später brutal um sich schlug.

Schließlich kam auch Hans Asbeck dazu, damals schon über achtzig Jahre alt. Er half den Mann festzuhalten, bis die Polizei kam. Als diese eintraf, sagte der Dieb, er möge die AfD nicht, aber der Vorfall täte ihm leid. Asbeck entgegnete darauf, dass er – wenn es ihm leid täte – die durch die Gegend geworfenen Materialien wieder aufsammeln könne. In einem Bericht vermerkte er über die Reaktion des überführten Angreifers: „Er lehnte dies entschieden ab. Das Bedauern war also nur ein Lippenbekenntnis.“

So kannten die Berliner AfD-Mitglieder Hans Asbeck. Leidenschaftlich engagiert – und doch sachlich nüchtern. Er arbeitete zum Beispiel im Fachausschuss für Infrastruktur mit. Wenn er mit jemandem inhaltliche Differenzen hatte, trug er die mit Argumenten – sine ira et studio – aus. Er war beispielsweise ein glühender Verfechter von umfassenden Rekommunalisierungsmaßnahmen (zu deutsch: Verstaatlichungen), was mehr als einmal Anlass zur Diskussion bot. Es war sinnvoll mit ihm über politische Fragen zu diskutieren.

Im Jahr des oben geschilderten Angriffs auf unseren Infostand wurde Hans Asbeck in die Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf gewählt, deren Alterspräsident er war. Asbecks BVV-Kollege Markus Bolsch berichtet, dass auch die anderen Parteien in dem Kommunalparlament nun ihre Anteilnahme ausgedrückt hätten. So sei sein Fachwissen über die Parteigrenzen hinweg geschätzt worden. Eine in der aufgehetzten Stimmung unserer Zeit (siehe oben) nicht unbedingt selbstverständliche Äußerung.

Am 9. Mai 2020 ist Hans Asbeck nach langer schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben. Er hinterläßt seine Ehefrau und zwei Kinder. Möge er in Frieden ruhen.

Ronald Gläser

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