Das Märchen vom Berliner Großflughafen

Es war einmal ein großer König, in dessen Land es zwei gute Flughäfen gab. Der Regent genoß die Anerkennung seiner Untertanen und regierte maßvoll das Land. „Er macht weniger Schulden als seine Vorgänger“, sagten seine Anhänger im Volk. Seine Gegner jedoch murrten: „Er mußte ja auch nicht den Zusammenschluß der beiden Teil-Königreiche bezahlen, den sein Amtsvorgänger bewirkt hat und der ihm jetzt doppelten Ruhm einbringt. „Sei’s drum“, sagten die meisten Bürger, weil der König ein lustiger Zeitgenosse war, der viel feierte und sie nicht mit Sorgen belastete.

Doch der König wollte sich ein Denkmal setzen. „Ein Flughafen, so groß wie der von Hessen-Nassau und so modern wie der im Freistaate Bayern“, frohlockte er und ging emsig ans Werk. Nun ja, er ging wie alle großen Männer natürlich nicht selbst ans Werk, sondern beauftragte seine Lakaien damit, daß sie ans Werk gingen. Doch die Lakaien des Königs waren auch nur Hofleute und hatten keine Ahnung von der Arbeit mit Hammer, Nagel und Hobel. Also fragten sie einen bekannten Kaufmann, ob er bereit wäre, diese Aufgabe – gegen ein fürstliches Honorar versteht sich – zu übernehmen.

Der ehrliche Kaufmann kam mit einem Plan ins Schloß des Königs und diskutierte seinen Bauplan mit den Lakaien. Er rechnete ihnen vor, was das Projekt kosten und wie lange es dauern würde. Der König hörte interessiert zu und nickte oft. Doch ihm kamen Zweifel. Zum einen hatte er bereits zwei funktionierende Flughäfen. Zum anderen bekam er Angst vor den hohen Kosten. Er hatte sich deswegen mehrere Tricks ausgedacht, wie er das Projekt trotzdem verwirklichen konnte:

Trick eins: Der König bat seinen Nachbarfürst mit ins Boot. Der Flughafen würde auf dem Land des Nachbarn gebaut. Als dieser zustimme präsentierte der König ihm die Rechnung: „Dann mußt du jetzt einen Teil des Geld bezahlen.“ Der Fürst stimmte zu, fühlte sich aber  über den Tisch gezogen.

Trick zwei: Der König bat den Kaiser um einen Obolus. „Deine Lakaien reisen auch oft über meinen Flughafen, zahle du einen Anteil“, forderte er vom Kaiser. Dieser war gerade freigiebig, weil seine Steuerbehörden stets neue Rekordsteuereinnahmen verkündeten oder sich einfach mal wieder verrechnet hatten, und willigte ebenfalls ein.

Trick drei: Der König jagte den Kaufmann, den seine Lakaien beauftragen wollten, vom Hof. „Wir nehmen das in die eigene Hand“, verkündete er lauthals. Der Flughafen würde Gewinne einbringen und das Königreich würde sich in ein Paradies verwandelt, in dem Milch und Honig fließen.

Und so nahm das Unheil seinen Lauf.

Die Lakaien hatten keine Ahnung vom Bau. Sie engagierten zahlreiche Zimmerleute, die wild drauflos hämmerten. Der König ließ indes einen der beiden bestehenden Flughäfen schließen. Begründung: „Ich muß das tun, weil der neue Flughafen keine Konkurrenz verträgt.“ Den Ersten kamen Zweifel, warum der Flughafen keine Konkurrenz verträgt, wo diese doch bekanntlich das Geschäft belebt.

Einige Jahre später wußten sie es: Als der Termin zur Einweihung heranrückte, eröffneten die Lakaien ihrem König, daß der Flughafen wegen einiger Kleinigkeiten nicht fertig sein würde. So wurde die Eröffnungsfeier verschoben. Als der nächste Termin herangerückt war, waren noch viel mehr Fehler aufgetreten. Er mußte wieder verschoben werden. Jetzt rächte sich, daß der König zwar oft von der Flughafenbaustelle gesprochen, sie aber niemals persönlich besichtigt hatte. Nach der zweiten Verschiebung kamen immer neue Fehler ans Licht. Sie summierten sich auf 150.000. Die Kosten für den König und die anderen Bauherren stiegen ins Unermeßliche. Die Eröffnung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Der letzte funktionierende Flughafen platzte aus allen Nähten

Der König verlor das Interesse an seinem Denkmal. Er reiste weiterhin bequem mit der Kutsche. Drei Jahre später dankte er ab. In seiner Abschiedsrede wiederholte er noch einmal, er wünsche sich, daß der Flughafen bald gebaut werden. „Schade, daß das mit meinen drei Tricks nicht funktioniert hat“, grummelte er vor sich hin und verschwand ins Exil. Auf den Flughafen warten die Bürger noch heute. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie auch morgen noch.

Foto: Der alte Fritz in Berlin – was würde er wohl zu diesem König sagen?

Ronald Gläser

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