Was ist Konservatismus? Wolfgang Fenske, der Leiter der Bibliothek des Konservatismus, nahm vor etwa 100 AfD-Mitgliedern und –Sympathisanten eine Begriffsbestimmung vor. Konservatismus bedeutet nicht jenen „Gärtnerkonservatismus“, der alles kritiklos bewahren will, was vorgefunden wurde, im Gegenteil. Es gilt vielmehr der Satz von Artur Moeller van den Bruck: „Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt.” Dadurch wird die Brücke zum liberalen Element geschlagen, das dem Konservatismus zuarbeitet. Der Liberalismus ist dabei der eigentliche und wahre politische Gegenpol zum Sozialismus. Diametral gegenübergestellt sind die individuelle Freiheit des Einzelnen und der alles regelnde Staatsapparat einer Kollektive. Der Konservative will bewahren, was der Liberale zuvor geschaffen hat, der Sozialist will es gänzlich revidieren. Die konservative Grundeinstellung ist jedoch die Ablehnung der Utopie.

Weil es in den USA keinen Adel gab, musste sich das liberale Bürgertum nicht gegen ihn zur Wehr setzen. Deswegen gibt es keinen Konflikt zwischen Liberalen und Konservativen wie bei uns.

Wolfgang Fenske über das abweichende Verhältnis von Konservativen und Liberalen in den USA

Dabei hatte das ursprüngliche Verständnis des heutigen Konservatismus einen adligen, pro-monarchischen Hintergrund und wurde als Reaktion auf die französische Revolution salonfähig. Der Brite Edmund Burke gilt als der geistige Vater des Konservatismus, obwohl er diesen Begriff selbst noch gar nicht gebrauchte. In Deutschland wurde nach 1848 aus dem klassischen ein ständisch geprägter, bürgerlicher Konservatismus, der nach dem ersten Weltkrieg eine Gruppe ideologischer Strömungen umfaßte, die sich in der Ablehnung der Weimarer Republik verstanden. Gemeinsam war den konservativen Akteuren, dass ihre Ideologien entschieden antiliberale, durchaus auch antidemokratische und antiegalitäre Züge trugen. Von 1919 bis 1932 formierte sich eine systemkritische, außerparlamentarische Opposition des rechten Widerstands.

Die Hakenkreuzfahne ist nicht zufällig rot

In der Folgezeit wurden Grundsätze des konservativen Spektrums von den Nationalsozialisten vorbehaltlos ursupiert oder deren Protagonisten eleminiert, siehe Edgar Julius Jung. Aus ihrer radikalen Ablehnung des Kommunismus darf nicht gefolgert werden, dass die Nationalsozialisten eine konservative oder auch nur rechte Formation gewesen seien. Der Untergrund der Hakenkreuzfahne ist nicht zufällig rot und die vorübergehende Allianz mit der deutschen Aristokratie und konservativen Zirkeln war mehr dem gemeinsamen Gegner als einer Geistesverwandtschaft geschuldet. 1950 wurde von Armin Mohler der umstrittene Sammelbegriff einer „Konservativen Revolution“ geprägt, die sich seit der Etablierung zweier deutscher Staaten erledigt zu haben schien. Seit 1945 gibt es in keinen stringenten Faden konservativen Denkens mehr.

Wenn ein CSU-Politiker dafür kritisiert wird, weil er sagt, grenzenlose Einwanderung müsse begrenzt werden, dann sehen wir daran, wie weit wir schon gekommen sind.

Wolfgang über Fenske zur Einwanderungspolitik

Nach dem historischen Überblick stellte Fenske zur Debatte, inwiefern der Konservatismus in ein demokratisches Zeitalter übertragen werden kann. Ist die grundsätzliche Annahme richtig, wonach konservative Tendenzen seit jeher der progressiven Bewegung entgegenlaufen? Die sich dann entwickelnde Diskussion lief sehr bald auf eine metaphysische Ebene hinaus. Fragen nach der Vereinbarkeit des Konservatismus mit einer katholischen Soziallehre und protestantischer Ethik wurden erörtert. Kann es Konservatismus in einer „offenen Gesellschaft“ geben?

Der Mensch braucht ein verlässliches Regelwerk, sagt der Konservative

Eine höhere Warte einer Ideologie des Konservativismus ist die „Negative Anthropologie“. In ihr wird konstituiert, dass der Mensch ein Mängelwesen und grundsätzlich defizitär sei. Der Mensch müsse in seiner Gefährlichkeit eingezäunt werden. Daraus folgt, dass der Mensch Institutionen wie staatliche Einrichtungen und ein festes Regelwerk braucht, um Verantwortung abgeben zu können. Die Ordnung eines Konservatismus ist stets auch eine gestufte Ordnung, wobei das grundlegende Element des Menschen die Natur ist. Es gilt immer die Einheit des Ganzen und nicht die eingeschränkte Zuständigkeit für ein hedonistisches Selbst. Der Konservative ist in seinem ganzen Lebenszyklus konservativ und handelt danach. Konservative Strukturen umfassen die Ehe, die Familie und den Staat. Ein dreigliedriges Schulsystem ist dabei eine notwendige Idee und die Nation liefert das leitende Kriterium einer Sinnstiftung.

Für den Konservativen stehen Bürgerrechte über den Menschenrechten. Wenn die Bürgerrechte verwirklicht worden sind, haben sich die Menschenrechte damit erfüllt. Gegen Ende der Diskussion gab es den Aufruf, statt intellektueller Debatten die Aktion auf der Straße zu suchen. Handeln statt Reden. Fenske gab zu bedenken, dass das Absinken der konservativen „Republikaner“ zur politischen Bedeutungslosigkeit auch der internen Verunglimpfung ihrer Vordenker als nutzlose „Eierköpfe“ zu verdanken sei. Wer einer intellektuellen Positionierung zugunsten eines Aktionismus aus dem Wege geht, dem fehlt bei der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner die Rechtfertigung für sein Tun. Fahnenträger mit Stakkato-Parolen ohne Überbau sind, wenn überhaupt, nur für eine Legislatur wählbar. Die Theoriebildung ist notwendig, genauso wie ihr Herunterbrechen auf die praktische Anwendung.

Kultureller Umbruch, dessen Auswirkungen wir uns nicht vorstellen können

Letztendlich stellt sich für deutsche Konservative die Frage, ob von einer Trendwende in der gegenwärtigen Politik gesprochen werden kann. Welchen Stellenwert hat eine konservative Ausrichtung, wenn die politische Landschaft von der sozialdemokratisch eingefärbten Politkultur der 68er Generation dominiert wird? Gegen-Modelle sind die Bildung eines konservativen Netzwerks unter Außenvorlassung der fehlerhaften Welt, dann der Rückzug ins Private, wie es Botho Strauß in der Uckermark vorlebt, oder die aktive Belebung der konservativen Tradition und Lebenswirklichkeit in Deutschland. Als politisches Ziel kann nur letzteres propagiert werden. Es müssen die elementaren Kräfte mobilisiert werden, um unser Überleben zu sichern. Gefordert ist ein Leben aus der Fülle und nicht aus dem Defizit des Nörglers. Die AfD bezeichnete Fenske als “liberalkonservative” Partei.

Derzeit findet ein kultureller Umbruch in einem Ausmaß statt, dessen Auswirklungen wir uns nicht vorstellen können. Seine Manifestation ist die ungezügelte Völkerwanderung nach Zentraleuropa mit der graduellen Auflösung der deutschen Nation und die Überführung ihrer Segmente in einen europäischen Superstaat. Der Konservative muss mehr leisten, als diesem Umbruch nur in die Speichen greifen zu wollen. Gefordert ist nichts weniger als eine konservative Revolution des wiedervereinten Deutschlands.

Hugh Bronson